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Jean Pütz feiert bald seinen neunzigsten Geburtstag. Er war viele Jahre lang ein bekannter Moderator im Fernsehen. Millionen Menschen haben seine Sendungen gern gesehen. Die Institution des öffentlich-rechtlichen Bildungsfernsehens verkörpert wie kaum ein anderer den Geist der frühen Bundesrepublik, jener Ära, in der das Medium noch als Instrument der esclarecimento popularVolksaufklärung begriffen wurde. Mit seinem markanten bigodeSchnurrbart und der legendären Hobbythek prägte er das kollektive Gedächtnis ganzer Generationen. Er machte Wissenschaft für alle Menschen verständlich. Sein didaktischer Ansatz beruhte auf einer tiefgreifenden Demokratisierung von Fachwissen, wobei er komplexe chemische Prozesse mit Vorliebe in die heimische Küche verlagerte und so das ferramentasHandwerkszeug für eine mündige Gesellschaft lieferte. Pütz fungierte als Vorreiter der heutigen digitalen Erklärformate, ein Wegbereiter des Do-it-yourself-Gedankens, bevor dieser zum bloßen Marketingbegriff verkam. In einer Zeit der fortschreitenden industriellen Entfremdung boten seine Anleitungen zur Eigenproduktion einen fast schon subversiven contrapropostaGegenentwurf zur Allmacht der Konzerne. Er wollte den Bürgern zeigen, wie sie Dinge selbst herstellen können. Dennoch bleibt sein Weltbild ein Kind des technokratischen Optimismus des zwanzigsten Jahrhunderts, was sich in seiner bisweilen befremdlichen Verteidigung der Kernkraft als technischer Errungenschaft widerspiegelt. Heute widmet sich der rüstige Jubilar mit einer an Besessenheit grenzenden Leidenschaft der Vision einer globalen Methanolwirtschaft. Er sieht in diesem Treibstoff die Lösung für die weltweite Energiekrise. Während die akademische Fachwelt seine Thesen oft als exzentrische papel de excluídoAußenseiterrolle abtut, bleibt Pütz seinem Ruf als unermüdlicher Aufklärer und unbelehrbarer reformador do mundoWeltverbesserer treu. Sein senso de missãoSendungsbewusstsein scheint ungebrochen, obgleich die physische Sehkraft schwindet und er seine Manuskripte mittlerweile diktieren muss. Es ist eine tragische Ironie, dass der Mann, der Generationen den visão claraDurchblick verschaffte, nun selbst mit der cegueiraErblindung ringt. Neben seinem wissenschaftlichen Wirken füllte Pütz die colunas de fofocasKlatschspalten stets mit einer franquezaOffenherzigkeit, die in ihrer Schamlosigkeit fast schon wieder entwaffnend wirkt. Seine späte paternidadeVaterschaft und die detaillierte Thematisierung seines Intimlebens machten ihn zum dauerhaften Sujet der Boulevardpresse. Er spricht sehr offen über sein privates Glück. Trotz dieser bisweilen affigen Eskapaden bleibt sein wahrer Kern die inabalabilidadeunerschütterliche curiosidadeNeugier auf die Welt. Pütz ist das lebende Relikt einer Epoche, in der das Fernsehen noch an die mutabilidadeVeränderbarkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse durch angewandtes Wissen glaubte. Sein bleibendes Erbe ist die Erkenntnis, dass wahrer sede de conhecimentoWissensdurst kein Verfallsdatum kennt.